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Ann (Marion Cotillard) ist eine berühmte Opernsängerin, Henry (Adam Driver) ein polarisierender Stand-Up Comedian. So unterschiedlich die beiden sind, so tief ist ihre Liebe. Als mediengefeiertes Star-Pärchen brausen sie durch die Häuserschluchten von Los Angeles, an blendenden Leuchtreklamen vorbei, und singen „we love each other so much“ in ihrem idyllischen Strandhaus. Doch die Geburt ihres ersten Kindes, Annette, eines geheimnisvollen Mädchens mit einem außergewöhnlichen Schicksal, wird ihr Leben auf den Kopf stellen.

Leos Carax hat ein rauschhaftes, furioses Werk geschaffen, das von der Musik der Art-Pop-Pioniere Sparks getrieben wird und durch seine ungewöhnliche Inszenierung subtile Zwischentöne erfährt. Mit Adam Driver (PATERSON, MARRIAGE STORY) und Marion Cotillard (LA VIE EN ROSE, INCEPTION) herausragend besetzt, eröffnete ANNETTE die Filmfestspiele in Cannes, wo er mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Nach DIE LIEBENDEN VON PONT-NEUF und HOLY MOTORS präsentiert uns der virtuose Leos Carax sein neuestes Meisterwerk – ein knalliges und intensives Drama voller mitreißender Musik, mit Momenten eindringlicher Schönheit und trockenem, absurdem Humor.

„ANNETTE, DER ORIGINELLSTE FILM DES JAHRES 2021,
IST EIN WILDER RITT WIE KEIN ANDERER, EIN MITREISSENDER WALZER IM STURM“
Empire Magazin

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Wann sind Sie erstmals auf die Musik der Sparks aufmerksam geworden?

Ich war wohl 13 oder 14, ein paar Jahre, nachdem ich Bowie entdeckt hatte. Das erste Album von ihnen, das ich mir besorgt habe (gestohlen, wenn ich ehrlich bin), war „Propaganda“. Danach „Indiscreet“. Das sind bis heute meine Lieblings-Pop-Alben. Danach habe ich sie für Jahre mehr oder weniger aus den Augen verloren, weil ich als 16-Jähriger anfing, mich auf das Kino zu konzentrieren.

Wann und wie haben sie die Brüder Ron und Russell Mael kennengelernt?

Ein oder zwei Jahre nachdem mein vorangegangener Film, HOLY MOTORS, herausgekommen war. In dem Film gibt es eine Szene, in der Danis Lavant im Auto einen Song aus dem Album „Indiscreet“ spielt: „How Are You Getting Home?“. Sie wussten also, dass ich ihre Arbeit schätze, und nahmen Kontakt mit mir auf, weil sie mit mir über ein Musical-Projekt reden wollten. Eine Fantasy über Ingmar Bergman, der in Hollywood feststeckt und der Stadt nicht mehr entfliehen kann. Aber das war nicht wirklich mein Ding. Ich könnte niemals einen Film drehen, der in der Vergangenheit spielt. Und ich würde keinen Film drehen, in dem eine Figur den Namen Ingmar Bergman trägt. Ein paar Monate später schickten sie mir ungefähr 20 Demos und die Idee für ANNETTE.

Wie sieht Ihre Beziehung zu Musicals aus? Selbst bei Ihren älteren Filmen hat man den Eindruck, als brennten Sie nur darauf, ein Musical zum Vorschein kommen zu lassen. Oft sieht man in Ihren Filmen wahnsinnige Szenen, in denen sich die Figuren durch Musik und Tanz ausdrücken. Hat Sie die Vorstellung, eines Tages ein Musical zu inszenieren, schon länger beschäftigt?

Seitdem ich begonnen habe, Filme zu machen! Mein dritter Film, DIE LIEBENDEN VON PONT-NEUF, hatte ich mir als Musical ausgemalt. Das große Problem, mein größtes Bedauern, ist, dass ich keine Musik komponieren kann. Und wie wählt man einen Komponisten aus? Wie arbeitet man mit ihm? Das hat mir Sorge bereitet. Als junger Mann habe ich mir nicht viele Musicals angesehen. Ich kann mich erinnern, dass ich Brian De Palmas DAS PHANTOM IM PARADIES ungefähr zu der Zeit gesehen habe, als ich die Sparks entdeckte. Die großen Musicals aus Amerika, aus Russland, aus Indien habe ich erst später entdeckt. Und die Filme von Jacques Demy natürlich. Musicals geben dem Kino eine andere Dimension – fast buchstäblich: Man hat Zeit, Raum und Musik. Und sie geben einem eine wunderbare Freiheit. Man kann eine Szene inszenieren, indem man einfach nur der Musik folgt. Oder indem man gegen sie anspielt. Man kann alle erdenklichen widersprüchlichen Emotionen zusammenmischen, auf eine Weise, die völlig undenkbar wäre in Filmen, in denen Menschen nicht singen oder tanzen. Man kann grotesk und tiefgreifend sein, zur selben Zeit. Und Stille! Stille wird zu etwas völlig Neuem. Weil die Stille nicht nur im Kontrast zum gesprochenen Wort und den Klängen der Welt steht, sondern eine tiefere Bedeutung erhält.

Mich hat immer schon fasziniert, wie Sie formelle und experimentelle Risiken eingehen, aber auch keine Angst haben vor visuellen Gags mit diesen sehr körperlichen Schauspielern. In ANNETTE geht es um zwei Performer. Wie haben Sie deren jeweilige Domänen ausgearbeitet?

Erst habe ich mir überlegt: Warum ist sie eine Opernsängerin, warum ist er ein Stand-up-Comedian? Die Welt der Sparks ist Pop-Fantasy, mit vielschichtiger Ironie. Aber erst einmal musste ich alles todernst nehmen. Und ich wusste nichts über die Oper und nur ganz wenig über Stand-up-Comedy. Mein Interesse war schnell geweckt. Diese beiden Formen, so weit voneinander entfernt, teilen sich einige Dinge. Die Nacktheit, Verletzlichkeit, der Opernsänger und der Comedians auf der Bühne. Das Spiel mit dem Tod: Bei der Oper geht es regelrecht um Frauen, die auf der Bühne sterben, in allen erdenklichen Formen, während sie ihr schönstes, bewegendstes Lied singen – die Arie; und die ganz großen Comedians wie Andy Kaufman flirten auf der Bühne offen mit dem Tod. Das Groteske ist essenziell für Comedy, während die ernste Oper zwar einen großen Bogen darum macht, aber dennoch oft als grotesk verlacht wird. Und Singen und Lachen sind sehr organische Vorgänge. Sie stützen sich auf ein komplexes anatomisches System, dasselbe lebensnotwendige System, das fürs Atmen zuständig ist. Ich begann den gesamten Film als Metapher für das Atmen zu begreifen: Leben und Tod selbstverständlich, und Lachen, Singen, Leben schenken, den Atem anhalten… und auch, ja, Atmen als musikalischer Rhythmus.

Im Prolog hören wir Ihre Stimme, wie Sie das Publikum bitten, konzentriert zu bleiben und den Atem anzuhalten.

Was jetzt eine völlig neue Bedeutung hat, weil ANNETTE, den wir vor Covid gedreht haben, in der Covid-Ära in die Kinos kommen wird, eine Zeit, in der man in der Gegenwart anderer am besten nicht zu sehr atmen soll. Leben und Tod, gleich noch einmal.

Die Geschichte von ANNETTE ist archetypisch und zugleich absolut zeitgemäß. Ich musste an A STAR IS BORN denken, an PINOCCHIO und DIE SCHÖNE UND DAS BIEST. Erinnern Sie sich an Ihre erste emotionale Reaktion, als die Sparks Ihnen die Geschichte unterbreiteten?

Ich habe die Songs sofort ins Herz geschlossen. Ich fühlte mich vom Glück geküsst, dankbar. Aber zunächst einmal sagte ich ihnen, dass ich den Film unmöglich machen könne. Ich hatte persönliche Bedenken. Ich habe eine junge Tochter – sie war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt. Und obwohl die Brüder nichts über mein Leben wussten (denke ich), gab es ein paar Elemente in der Geschichte, die ihr ziemlich an die Nieren hätten gehen können. Und wollte ich – konnte ich – an diesem Punkt in meinem Leben wirklich einen Film über einen so „schlechten Vater“ machen? Aber je öfter ich mir die Lieder anhörte, desto mehr gefielen sie auch meiner Tochter. Sie fragte mich, worum es sich bei ihnen dreht. Ich erklärte es ihr und bemerkte dabei, wie viel sie davon schon verstand. Und dass an dem Zeitpunkt, an dem der Film gemacht werden könne (wenn überhaupt), sie bereits verstehen würde, wie ein Filmprojekt entsteht. Also sagte ich „Ja“!

  
Henry McHenryADAM DRIVER
Ann DefrasnouxMARION COTILLARD
The AccompanistSIMON HELBERG
AnnetteDEVYN MCDOWELL
DoctorKANJI FURUTACHI
  
RegieLEOS CARAX
DrehbuchRON MAEL, RUSSELL MAEL
MusikRON MAEL, RUSSELL MAEL
KameraCAROLINE CHAMPETIER
SchnittNELLY QUETTIER
AusstattungFLORIAN SANSON
KostümFPASCALINE CHAVANNE, URSULA PAREDES CHOTO
ProduktionCHARLES GILLIBERT, ADAM DRIVER, PAUL-DOMINIQUE VACHARASINTHU

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